"Kaffeekannen und Kaffeegenuss" Ausstellungseröffnung am 23.11.2017
Ab kommender Woche ist im Oberpfälzer Volkskundemuseum Burglengenfeld die neue Sonderausstellung "Feines Porzellan für den Satanstrank - Kaffeekannen aus der Sammlung von Georg und Elfriede Fischer (Teublitz)" für die Öffentlichkeit zugänglich. Dazu gibt es ein besonderes Rahmenprogramm, dessen erster Höhepunkt bereits am Samstag, 25. November 2017 um 16 h stattfindet.
 
Dr. Christine Riedl-Valder, Kunsthistorikerin und Germanistin aus Beratzhausen, wird inmitten Hunderter alter und neuer Kaffeekannen einen Vortrag zum Thema "Von der "Kaffeesuppn" zum Cappuccino - Kaffeetrinken und Caféhäuser in der Oberpfalz von den Anfängen bis heute" halten.
Veranstalter sind die Regionalgruppe Oberpfälzer Jura des Historischen Vereins, dessen Vorsitzende Dr. Riedl-Valder ist, und Dolina, Gesellschaft für Landeskunde e.V.
 
Der Kaffee hat in der Oberpfalz als Genussmittel eine lange Tradition. Schon um das Jahr 1700 wurde der braune Muntermacher in Regensburg den Gesandten am Immerwährenden Reichstag serviert. Der "Islamische Wein", wie der Kaffee damals hieß, gelangte entweder durch die Abgeordneten des französischen Hofes oder zusammen mit dem Kaiser und seinem Gefolge aus Wien in die Domstadt. Er trug seinen Teil dazu bei, dass die Gesandten damals nach allen Regeln der damaligen Trink- und Esskultur verwöhnt wurden. Einige Jahrzehnte später kam der Kaffeekonsum in adeligen und bürgerlichen Kreisen als besonderer Luxus in Mode.
 
In den größeren Städten verbreiteten sich im 19. Jahrhundert die Wein- und Kaffeehäuser mit Billard. In den ländlichen Regionen wurde die "Kaffeesuppn" beliebt, die jedoch oft zur Kostenersparnis aus Malz, Zichorie, Eicheln, manchmal auch aus Mandeln und Feigen gebraut wurde und den ganzen Tag über in bauchigen Kannen in der Ofenröhre stand. Bei der Feldarbeit wurde die Kaffeepause am Nachmittag üblich. In den Städten entwickelte sich der Cafébesuch zu einem wichtigen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.
 
Christine Riedl-Valder hat in diesem Jahr ein neues Buch über "Die schönsten Cafés in Regensburg und Umgebung" (MZ-Verlag Regensburg 17,90 €) veröffentlicht, das bei der Vortragsveranstaltung erworben werden kann. Die Gäste erwartet selbstverständlich auch eine Tasse Kaffee und Gebäck, dessen Erlös dem Freundeskreis des Oberpfälzer Volkskundemuseums e.V. zugute kommt! Der Eintritt für den Vortrag ist frei, alle Interessenten sind herzlich willkommen!


Das Café "Orlando di Lasso" mit dem ersten Freisitz in der Regensburger Altstadt ab 1909
(Repro: Chr. Riedl-Valder)




Kaffeepause bei der Feldarbeit, um 1925 (Repro: Chr. Riedl-Valder)